Deutsche Gedichte von Roberto Minichini
Roberto Minichini ist 1973 in Mainz geboren , von einem italienischen Vater und einer kroatischen Mutter , und ist in Deutschland aufgewachsen . Er lebt in Görz (Gorizia ) in Italien , an der Grenze mit Slowenien . Die Liebe und die Treue zu Deutschland und der deutschen Sprache und Literatur bringt ihn dazu Lyrik und Prosa auf Deutsch zu schreiben .
Freitag, 14. August 2026
Dienstag, 5. Mai 2026
Der langsame Leser
Er nimmt das Buch wie einen alten heiligen Gegenstand
mit beiden Händen
als käme es aus
einem Haus der Weisheit
das längst
verschwunden ist
auf der ersten
Seite, steht ein Name
vielleicht ein
toter Autor der Vergangenheit
der einmal
glaubte
dass Sätze länger
leben können
als Stimmen
der Leser sitzt
allein
um ihn herum
vergeht die Welt
in schnellen
Zeichen
in Nachrichten,
Bildern, Meinungen
in dem müden Lärm
der Gegenwart und
des Nichts
er aber liest
drei Seiten, oder vier oder zehn
und legt das Buch
wieder fort
um zu denken, um
nachzudenken
nach Wochen ist
er noch immer
in der Mitte
er liest nicht
um fertig zu
werden
er liest
um eine fremde
Zeit
in sich wohnen zu
lassen
manchmal bleibt
sein Finger
unter einem Satz
stehen
draußen wird es
schon wieder Abend
drinnen aber wird
ein Jahrhundert
für einen
Augenblick
wieder lesbar
dann versteht er
dass alte Bücher
keine
Vergangenheit sind
solange einer sie
öffnet
vielleicht mit
Liebe
und dass der
einsame Leser
nicht allein ist
wenn er langsam
genug liest
Gedicht von Roberto Minichini Mai 2026
Mittwoch, 18. Dezember 2019
Ein gutes Wort
ist wert wie Gold
geh nicht den falschen Weg
sondern einsam träume das Heilige
und die Sonne und der Mond
im weitem Wald der Vergangenheit
hüten Dich
und Du lernst viel von ihnen
Du lernst das gute, das Licht
Roberto Minichini, 18. Dezember 2019, Görz
Mittwoch, 25. Juli 2018
Stille Schritte in den Wolken
die er in den Wolken macht
er will alleine sein, einsam
ab und zu hält er still
er bewegt sich nicht
schaut auf die Welt
und ohne Wort aus dem Mund
versteht er sie nicht
dann beginnt er wieder zu spazieren
in den Wolken ist sein Leben leicht
Roberto Minichini, 25 Juli 2018, Görz
Donnerstag, 19. Mai 2016
Gnade gegen Barbarei
nein,es ist kein Marsch
den brauchst Du nicht
habe Gnade gegen Barbarei
sei ein echter Mensch
oben, ganz oben
weht der Geist
Roberto Minichini,Görz,Italien,den 19 Mai 2016
Mittwoch, 31. Dezember 2014
Wartestunde
hast du gesagt
aber bitte
ich wage es zu fragen
bitte sage auch wann es so weit ist
wann und wo
und warum warten wir so lange
auf das Nichts
auf das braune Nichts
auf das graue Nichts
auf das schwarze Nichts
die Stunde
sie ist schon da
begreife
begreife sofort
begreife für immer
das Warten ist schon lange zu Ende
Roberto Minichini, Görz, Italien, den 27 Dezember 2014
Donnerstag, 8. Mai 2014
Du bist nur ein stummer Zwerg
dein Wald ist schon lange Vergangenheit
wo du wanderst ist nur Traum , Alptraum
das Gold ist nicht mehr im Geist
es ist nur eine Zahl , ein Umsatz , eine verfluchte Arbeit
Alchemisten ihr seit verstorben , Geschäftsmacher sind die neuen Adepten
überall tobt die Zahl , überall tobt das Geld , überall hungrige , gierige Sklaverei
überall die neue Barbarei der armseeligen Wirtschaftshelden
du bist nur ein stummer Zwerg
du bist Vergangenheit
deine Zahl ist die Null
dein Wert ist unbekannt und unbeliebt
ja , höre zu , du , du stummer Zwerg
nicht mal ein Grab gehört dir
wer nicht bezahlt , wer nicht arbeitet , darf nicht sterben
und darf nicht leben , und darf nicht hoffen , und darf nicht lachen oder lieben
darf nur schweigen und verschwinden
du bist nur ein stummer Zwerg
dein Wald ist schon lange Vergangenheit
wo du wanderst ist nur Traum , Alptraum
Roberto Minichini , den 8.Mai 2014 , in der Nähe von Mainz

